Freiwilligenberichte aus Brasilien

Anfang des Jahres 2016

katharina-und-noah

Katharina und Noah

…waren ich, Noah P. und meine Begleiterin, Katharina K., zu Besuch in São Paulo. Wir sammelten viele einzigartige Erfahrungen, weil wir dort am täglichen Leben der benachteiligten Menschen teilnahmen. Es waren Begegnungen mit Menschen einer fremden Kultur, die eine fremde Sprache sprachen – oft mit einer uns unvertrauten Weltanschauung; allerdings jeder mit einmaliger und fantastischer Lebensfreude – ganz im brasilianischen Stil. Solche Erfahrungen gaben uns die Möglichkeit als Persönlichkeiten zu wachsen. Ich bin vielleicht sogar ein kleines bisschen erwachsener geworden…

Brasilien ist ein wundervolles Land, daher haben wir uns diese Reise natürlich nicht entgehen lassen. Eine Urlaubsreise war es jedoch nicht. Obwohl wir sehr viele Erfahrungen mitgenommen haben, war uns von Anfang an klar, dass es hier nicht um uns geht. Als Botschafter für ProBrasil hatten wir die Aufgabe, das Leben der Menschen dort zu bereichern. Sowohl im kulturellen Sinne, durch Austausch und Begegnung, als auch mit unserer täglichen Arbeit im Jugendzentrum konnten wir zeigen: Wir sind da und vergessen euch nicht. Denn – so meinen wir – solange es Menschen gibt, die nicht so privilegiert leben wie wir, haben wir die Pflicht, zu helfen wo wir nur können. Genau das versuchen wir durch den Förderverein ProBrasil zu tun. Und ich bin stolz darüber, einen kleinen Teil beigetragen zu haben.

Zum Schluss noch ein wenig über uns: Katharina ist 24 Jahre und studiert Lehramt für sonderpädagogische Förderung. Sie lebt in Bonn. Ich, Noah, bin 19 Jahre und komme aus Düsseldorf. Unser Aufenthalt in Brasilien dauerte drei Monate. In dieser Zeit haben wir Land und Leute in unsere Herzen geschlossen.

 

Hallo, wir, Eva und Feli,

Feli und Eva

Feli und Eva

waren beide 2015 für ein paar Monate in Brasilien und haben als Freiwillige in den Einrichtungen von ProBrasil in Parelheiros, am Stadtrand von São Paulo, gearbeitet.

Die meiste Zeit verbrachten wir im CCA (Kinder- und Jugendzentrum) Recreio. Abgestimmt auf die Schulzeiten vor Ort arbeiteten wir zusammen mit unseren brasilianischen Betreuern in zwei Schichten, morgens und nachmittags.

Es wurde gemalt und gebastelt, getanzt und Englisch gelernt. Fußballspielen war auch immer eine beliebte Beschäftigung. Zwischendurch gab es einen Snack und eine warme Mahlzeit. Das Essen war übrigens gut und lecker! Mit Reis, Bohnen, Fleisch und Salat konnte man fast täglich rechnen. Aber selbst bei veganem Lebensstil ist man dank der buntgemischten Obst- und Gemüsesorten nicht zu kurz gekommen.

Die Pausen verbrachten wir mit den brasilianischen Mitarbeitern in sehr freundschaftlicher Atmosphäre. Hier hatten wir die Möglichkeit, unsere Portugiesisch-Kenntnisse zu verbessern. Auch wenn das Lernen der Sprache durch die ständige Interaktion leicht fiel, haben wir uns oft gewünscht, mit mehr Sprachkenntnissen nach Brasilien gereist zu sein.

Den zweiten Teil unseres Aufenthaltes lebten wir bei einer ganz lieben ProBrasil-Mitarbeiterin (Rose) in der Comunidade (Favela). Gerade diese letzten Wochen waren sehr ereignisreich und prägend. Inmitten der Favela lernten wir den Alltag und die Lebensgewohnheiten der dort lebenden bedürftigen Menschen kennen.

Hier ein kleiner Auszug aus Evas Tagebuch: „Die Favela: von außen so unscheinbar. Erst merkte ich gar nicht, wie wir ihr immer näher kamen; wir bogen ab auf einen schmalen Trampelpfad, zwischen hohen Bäumen und Gestrüpp gingen wir immer weiter. Ich bin alle paar Sekunden über Steine, Wurzeln und Pfützen gestolpert, weil ich alle Eindrücke in mich aufsaugen wollte, dabei vergaß ich, auf den Boden zu schauen. Und dann waren wir schließlich drin. Viele kleine Häuser, die meist nur aus einem einzigen Raum bestehen, eng an- und übereinander gereiht. Irgendwo lief Musik, und die Leute auf der Straße grüßten Rose freudig. Ich wurde vorgestellt und ebenfalls begrüßt. Dann machten wir uns auf den Weg zu unserem (Roses) Zuhause. Wir gingen durch einen schmalen Gang, der vielleicht 1,5 m breit war, stiegen ein paar Stufen rauf und wieder runter und erreichten schließlich Roses Haus.“

In den darauf folgenden Wochen hatten wir die Möglichkeit, viele herzliche Nachbarn kennenzulernen. Wo immer wir auch hinliefen, trafen wir auf eine unglaubliche Gastfreundschaft und ein großes Gemeinschaftsgefühl, welches sich durch das selbstlose Teilen mit den Mitmenschen zeigte. Wir erinnern uns gerne an den Moment zurück, als wir bei Rose zu Hause Freunde zu Besuch hatten, und wir nicht genug Teller hatten. Rose rief daraufhin laut aus dem Fenster: „Precisamos pratos!“ (wir brauchen Teller), woraufhin wir fünf Minuten später mit Tellern von allen möglichen Nachbarn überhäuft wurden.
Trotzdem gab es natürlich Momente, die uns noch heute zum Nachdenken bringen. Die Lebensbedingungen einzelner Familien und besonders der Kinder haben uns sehr erschüttert. Aus diesem Grund haben wir uns damals dazu entschlossen, den Fokus unserer Arbeit auf die Familienunterstützung in der Favela zu legen. In diesem Rahmen gingen wir mehrere Tage in die Unterkunft einer Familie, deren Kind im CCA
Álamos betreut wird, und erreichten eine Neustrukturierung der Wohnung, die besonders für das Kind ein neues Lebensgefühl schaffte.
Manchmal begleiteten wir den Familiendienst SASF bei verschiedenen Einsätzen in der Favela und dokumentierten diese mit Fotos und Berichten.

Außerhalb der Arbeitszeiten unternahmen wir viel mit unseren Kollegen, die schnell zu Freunden wurden. Wir gingen ins Kino, trafen uns auf ein Glas Caipirinha oder saßen einfach bis spät in die Nacht auf der Terrasse und unterhielten uns über Gott und die Welt.

Vor einem Aufenthalt bei ProBrasil sollte man sich überlegen, was man mit Kindern machen kann. Wir haben zum Beispiel Englisch- und Spanischunterricht gegeben, Weihnachtsplätzchen gebacken, gebastelt und Ausflüge begleitet.

Wir beide sind uns einig, dass die Zeit in Brasilien mit all den positiven und negativen Facetten für uns eine unvergleichliche und unvergessliche Zeit bleiben wird. Wir durften viele wunderbare Menschen kennenlernen. Unser Aufenthalt lehrte uns, das wertzuschätzen, was wir haben und auch in schwierigen Situationen die Hoffnung und den Optimismus nicht zu verlieren. Wir denken gerne an unsere Erlebnisse und Erfahrungen in Parelheiros zurück und vermissen ein Stück die Gelassenheit, Spontanität, Lebensfreude, die gute Küche, die Musik und unseren dort gelebten Alltag.

An dieser Stelle danken wir ganz besonders ProBrasil Deutschland für die tolle Vor- und Nachbereitung sowie Begleitung und dem ProBrasil-Team in São Paulo für die offene Aufnahme und Unterstützung. 

 

Meine bisher beste Erfahrung

Pascal Jentzsch aus Berlin, August/September 2015 bei ProBrasil in São Paulo

So viel sei vorweggenommen: Eu vou voltar! (Ich werde zurückkehren!)

Gruppenfoto beim Ausflug ins „A Fazendinha - Mãos da Terra“

Gruppenfoto beim Ausflug ins „A Fazendinha – Mãos da Terra“

Im Voraus der Reise habe ich bereits – zusammen mit meiner späteren Begleiterin Zoë Schütte – angefangen Portugiesisch zu lernen, was sich für die Verständigung als gute Entscheidung herausstellen sollte. Man muss dazusagen, dass die Kinder und die meisten Erwachsenen vor Ort nur Portugiesisch sprechen.

In den Kinder- und Jugendzentren von ProBrasil haben wir eine riesige Menge von aufgeweckten Kindern sowie zuvorkommende und äußerst freundliche Mitarbeiter vorgefunden. Während unseres Aufenthalts waren die Kinder sehr interessiert an unserer Kultur und stellten viele Fragen zu unserem Leben in Deutschland. Im Gegenzug dazu haben wir den Kindern so viel wie möglich von uns mitgeben wollen.

So haben wir von Englischunterricht bis hin zu einem Deutschen Tag, an dem wir Brezeln gebacken und Bilder von uns und Deutschland gezeigt haben, überall mitgeholfen, wo helfende Hände gebraucht wurden. Wir sind immer noch dankbar für die Einblicke, die uns die Kinder und Mitarbeiter in ihr tägliches Leben ermöglichten.

Kaiserschmarrn für die Mitarbeiter im Parque Recreio zum Mittagessen

Kaiserschmarrn für die Mitarbeiter im Parque Recreio zum Mittagessen

Das schließt auch die Zeit nach der Arbeit ein. Denn auch in unserer Freizeit haben wir eine Menge mit unseren neu gewonnenen Freunden erlebt. An diesem Punkt ein weiteres Mal „Obrigado a todos lá“ (Danke an alle dort). Sie haben uns die Stadt gezeigt, wir waren im Kino, Abendessen oder auch im Fitnessstudio, wo wir ebenfalls auf freundliche Brasilianer trafen.

 

Abschlussfoto mit den Mitarbeitern des CCA Parque Recreio

Abschlussfoto mit den Mitarbeitern des CCA Parque Recreio

Im Nachhinein muss ich sagen, dass die Aufenthaltsdauer von lediglich 6 Wochen viel zu gering ausgefallen ist, was für mich, aufgrund von Studium und Arbeit, aber leider das Maximum war. Wie ich jedoch bereits in meinem ersten Satz schrieb, werde ich erneut in meine zweite Heimat nach Parelheiros reisen, da diese Reise meine bisher mit Abstand beste Erfahrung war.

Danke Brasilien

 

Bruno Hille, Juni 2014

Ein Freund hat mir empfohlen, einen Auslandsaufenthalt in Brasilien bei ProBrasil zu erleben. Schnell konnte er den Kontakt zu Uwe Weibrecht herstellen. Brasilianisch – unkompliziert, stand mein Brasilienaufenthalt nach einer Powerpointpräsentation auf seinem Tablet und einer Tasse Tee fest. Für Vorbereitungen war wenig Zeit, da ich mitten im Examen als Gesundheits- und Kinderkrankenpfleger stand. Von meinen Plänen, wie weitere Mitglieder von ProBrasil in Deutschland kennenzulernen, einen Sprachkurs zu machen, sowie ein Visum zu beantragen, konnte ich nichts umsetzen. Im Flugzeug nach São Paulo holte ich das Wörterbuch hervor. Fünf Minuten später beschloss ich, die Sprache lieber im Praktischen zu lernen. In São Paulo angekommen haben mich zwei sehr nette (einer Deutsch sprechend) Mitarbeiter abgeholt.

Unterkunft im CCA – Parque Recreiro (CCA = Kinder und Jugendzentrum)

Ich hatte mein Zimmer mit Bett und Sofa neben dem Zimmer eines sehr netten Kollegen (Ubirajara). Den Flur weiter hinten wohnt ein weiterer Kollege (Douglas). Dieser Abschnitt befindet sich neben dem Haus, in dem sich die Kinder den Tag über aufhalten.

Hier habe ich morgens, bevor ich mit dem ProBrasil-Fahrer (Reginaldo) eine täglich unterhaltsame Fahrt zur Arbeit genießen konnte, noch einen Kaffee getrunken.

Abends nach der Arbeit und der kurzen Busfahrt von der Arbeit ins CCA habe ich mit meinen Kollegen gekocht (aus einer ständig gefüllten Vorratskammer), wir haben Pizza bestellt oder die Reste des Mittagessens gegessen. Das Essen ist ausgesprochen lecker!

Ein halbwegs stabiles W-LAN gibt es ebenfalls, sodass man gut nach Deutschland skypen kann.

Am Abend haben wir geplaudert, Portugiesisch gelernt, gebastelt, bei Freunden Filme gesehen, wir waren etwas trinken oder im Kino. Wenn man nicht zu müde von den ganzen Eindrücken und Sprachbarrieren ist, kann man abends noch viel unternehmen. Selbst das Busfahren ist immer wieder ein Abenteuer.

Arbeit bei ProBrasil – Álamos

Gearbeitet habe ich in der ProBrasil-Zentrale im Viertel namens Álamos. Hier werden ebenfalls Kinder in zwei Gruppen morgens und nachmittags betreut. Wir haben gespielt, gebastelt, Capoeira trainiert, Fußball oder Brennball gespielt, im WM-Fieber Länderwissen aufgefrischt u.v.m. Für mich war es sehr faszinierend zu sehen, wie kreativ die Kinder im Basteln sind.Bruno Hille mit Kindern aus dem CCA

Sie sind alle sehr offenherzig und ausgesprochen interessiert. Die Sprachbarriere wird schnell mit wilder Gestik und Mimik sowie mit ausgesprochen langsamem Portugiesisch nach und nach gebrochen.

Für meinen Lernerfolg, was die Sprache anbelangt, ist zum Großteil meine Kollegin, die Erzieherin Rose-Andrea, verantwortlich. Fast täglich in der Mittagspause fragt sie mich ab, läuft mit mir durch das Haus und zeigt auf Gegenstände. Da ihre Kinder in Deutschland leben, hatten wir immer beide etwas davon. Auch die anderen Kollegen von ProBrasil sind alle ausgesprochen hilfsbereit, fürsorglich und verständnisvoll. Ich habe auch einige Familien zu Hause besuchen dürfen. Für mich war es sehr spannend zu sehen, wie die Familien teilweise mit Hund und Katze und mehreren Kindern auf engstem Raum in der Favela leben. Sie machen zumeist einen sehr glücklichen Eindruck und fühlen sich wohl. Sie bestehen darauf mich einzuladen und zu bekochen. Eine Gastfreundschaft wie in Brasilien, habe ich nie zuvor erleben dürfen.

Insgesamt bin ich sehr dankbar für die Möglichkeit, einen Einblick in das Land, die Kultur und die Arbeit von ProBrasil bekommen zu haben, nebenbei helfen und mich nachhaltig engagieren zu können.

Bruno Hille

 

Nadine Schaal, April 2014

Schon vom ersten Kontakt an wusste ich, dass ProBrasil genau das Richtige für mich ist. Ich hatte die Organisation im Internet gefunden und mich einfach mal per E-Mail gemeldet, besuchte den Verein in Düsseldorf und lernte dort bereits einige der ehrenamtlichen Schlüsselpersonen kennen. Sie nahmen mich sehr herzlich auf – und so konnte das Abenteuer beginnen.

Ich war 6 Monate in Brasilien und bin im März 2014 nach Deutschland zurückgekehrt. Wenn mich heute jemand fragt, wie es war, sage ich meist zunächst nur: „Unglaublich viel gesehen, viel erlebt, viel gelernt.“ Obwohl ich schon einige Auslandsaufenthalte gemacht habe, wird dieser sicherlich der beeindruckendste bleiben.

Mein Ziel des Freiwilligeneinsatzes bei ProBrasil war es, die Arbeit vor Ort aber auch die Kooperation mit dem Förderverein in Deutschland zu unterstützen und natürlich Land, Leute, die Sprache und das Leben dort kennenzulernen.

Strahlende Gesichter im Kinder- und Jugendzentrum Parque Recreio

Strahlende Gesichter im Kinder- und Jugendzentrum Parque Recreio

Ich wohnte direkt auf dem Campus einer der CCA (Centro para Crianças e Adolescentes), der relativ abgelegen, rund zwei Stunden vom Zentrum der Stadt São Paulo entfernt liegt. Mein Portugiesisch war am Anfang nicht besonders gut und so dauerte es eine Weile bis ich mit den Menschen hier ausreichend kommunizieren konnte. Praktische Aktivitäten mit den Kindern waren einfacher, ob Capoeira, Basteln oder Spielen – mit Händen und Füßen klappte das schon.

Da in Parelheiros so gut wie niemand Englisch oder Deutsch spricht, war mein Aufenthalt dort eine wunderbare (wenn auch nicht immer ganz einfache) Möglichkeit, die Sprache zu lernen und Einblicke in das Leben vor Ort zu gewinnen. Aller Anfang ist schwer, aber es hat sich definitiv gelohnt und der Stadtteil ist quasi zu meinem Zuhause geworden.

Nadine zeigt bei 30° Celsius wie Weihnachtsplätzchen gebacken werden

Nadine zeigt bei 30° Celsius wie Weihnachtsplätzchen gebacken werden

Meine Arbeit bei ProBrasil war sehr abwechslungsreich: ob in der Küche, bei Aktivitäten und Ausflügen mit den Kindern, bei der Vorbereitung von Präsentationen oder sonstigen technischen Fragen, Englisch- und Deutschübersetzungen für die Internetseiten oder die Versorgung mit Bildmaterial – ich half einfach, wo ich konnte. Dabei spielte der kulturelle Austausch auf täglicher Basis natürlich auch eine Rolle. Plätzchen backen, über Deutschland erzählen und deutsche Gerichte kochen inklusive.

Durch Freunde in der Stadt und Reisen durch das Land – wie  z.B. auch den Besuch des ProBrasil-Standorts in Picos, Piauí – habe  ich viel von Brasilien gesehen und bin unheimlich dankbar, dass ich so viele Seiten des Landes kennen lernen konnte. Die Arbeit bei ProBrasil ist sehr vielfältig und die Lebenslust der Brasilianer beeindruckend und ansteckend.

Saudade!

 

Nadine Ghanawi, Dezember 2013 – Lernen mit Hund, Katze, Maus…

Nadine Ghanawi

Nadine Ghanawi mit unserem „Haustier“

…oder besser gesagt mit Ziege, Hahn und Küken – denn diese Tiere watscheln jeden Tag ungestört durch die Räumlichkeiten der Joaquin Rodriguês de Sousa Martins Gesamtschule im kleinen Dorf Gameleira dos Rodriguês in Picos, Brasilien. Dort befand ich mich zwei Monate lang auf Entwicklungshilfe mit ProBrasil, und erlebte einen krassen Gegensatz zu meinem kürzlich abgeschlossenen Master-Studium im schicken Paris.

Der Nordosten Brasiliens zählt zu einer der ärmsten Regionen des Landes. Die trockene Hitze mit bis zu 40°C lassen die Dorfregion wie einen Teil afrikanischer Wüste erscheinen, und die ca. 400 Einwohner der Gameleira kannten bis vor einigen Jahren weder Elektrizität noch das Internet! Doch auch hier sind die Jugendlichen nun im facebook-Bann und lernten mit mir den Umgang mit dem sozialen Netzwerk sowie die Microsoft-Office Programme kennen. Doch nicht nur der fachliche, sondern insbesondere der kulturelle Austausch stand im Vordergrund meiner Arbeit. Als Kulturbotschafterin hielt ich daher regelmäßig Vorträge an lokalen Schulen und Universitäten über die deutsche Kultur und Diversität, und diskutierte mit den Kindern, Jugendlichen und Erwachsenen über die Unterschiede beider Länder. Die Neugier war groß, die Überraschung größer: Wieso lernen deutsche Schülerinnen und Schüler nicht die ganze Schulzeit zusammen, so wie in Brasilien? Wie, in Deutschland ist es nicht ständig kalt? Und wie kann man Bier nur aus 1-Liter-Krügen trinken?!

Ende Dezember ging es für mich nun wieder zurück nach Deutschland, und auf in die moderne Arbeitswelt – doch die Eindrücke werden sicherlich ihre Spuren hinterlassen. Für mich ist es unglaublich, wie viel Reichtum und wie viel Armut Brasilien gleichzeitig zu bieten hat. Neben den geografischen Vorzügen sowie der kulturellen Vielfalt ist es hinsichtlich Infrastruktur oder sozialer Gerechtigkeit zwar noch weit von deutschen Standards entfernt. Trotzdem können wir viel von den Brasilianern lernen und insbesondere die brasilianische Lebensfreude werde ich mitnehmen!

 

Praktikumsbericht von Anna-Katharina Gruner, Juni 2013

Anna-Katharina

Anna-Katharina im Kinder- und Jugendzentrum

Die Neugier auf das Leben in einem Land, weit entfernt von meinem Heimatland Deutschland, veranlasste mich zu meiner Reise nach Brasilien. Unterstützt bei meinem Vorhaben wurde ich durch die internationale Studierendenorganisation AIESEC, welche weltweite Praktika vermittelt. Seit Ende März leiste ich eine zwölfwöchige Freiwilligenarbeit am Stadtrand der Supermetropole São Paulo bei der Associação ProBrasil. Diese Organisation wird durch ProBrasil e.V. in Düsseldorf durch Spendengelder unterstützt und engagiert sich für sozial benachteiligte Menschen, denen der Zugang zu Bildungsmöglichkeiten versperrt bleibt. Bei ProBrasil im ärmlichen Stadtviertel Parelheiros herrscht ein sehr familiäres und fröhliches Miteinander. Meine Kollegen sowie viele Menschen, die mir hier in Brasilien begegnen, sind mir gegenüber sehr aufgeschlossen und interessiert an Deutschland. Vorrangig arbeite ich bei ProBrasil im Bereich Kommunikation. Aber auch die Beschäftigung und das Spielen mit den Kindern, welche von ProBrasil und im nahegelegenen Centro para Crianças e Adolescentes (Zentrum für Kinder und Jugendliche) täglich betreut werden, kommen nicht zu kurz und bereiten mir große Freude. Ich habe an der Martin-Luther-Universität in Halle (Saale) Medien- und Kommunikationswissenschaften studiert und stehe kurz vorm Ende meines Masterstudiums. Ich glaube, dass ich durch meinen Aufenthalt hier viele neue wertvolle Eindrücke gewinnen kann und ich bin sicher, dass ich dieses gigantische Land ein weiteres Mal besuchen werde.

Anna-Katharina Gruner

 

Praktikumsbericht von Eva Friedrich, September 2011

„Das Geheimnis des Glücks liegt nicht im Besitz, sondern im Geben. Wer andere glücklich macht, wird glücklich.“ André Gide

Eva Friedrich bei der Arbeit

Eva Friedrich bei der Arbeit

Als mein Onkel mir von der Organisation ProBrasil, die sich für sozial schwache Familien einsetzt, erzählte, war ich sofort Feuer und Flamme. Als Krankenschwester interessierte ich mich vor allem für die Poliklinik, die im Norden Brasiliens errichtet wurde, da ich meinen Beitrag dazu leisten wollte.

Mein Name ist Eva, ich bin 25 Jahre alt, und jetzt verbringe ich schon die fünfte Woche im Sozialzentrum „Martina van Koolwijk“ in Sao Paulo. Anfängliche Schwierigkeiten aufgrund der Sprachbarriere wurden mit viel Herzlichkeit aufgehoben und ich wurde gut integriert.

In diesem Sozialzentrum werden Kinder, die zum Teil aus den Favelas kommen, auf eine spielerische Art und Weise gefördert. Sie erhalten Unterricht in Capoeira und anderen Tänzen. Zudem werden gemeinsam Plätzchen gebacken und gegessen, gebastelt und Englisch gelernt. Dies alles bereitet den Kindern sehr viel Freude. Nach und nach wurde mir die Notwendigkeit dieser Einrichtung bewusst. Diese Kinder sind voller Energie und Lebensfreude, sie haben stets ein Lächeln im Gesicht und kennen keine Berührungsängste. Offen sind sie auf mich zugegangen und ließen mich teilhaben an ihrer Begeisterungsfähigkeit. Gerade für die Kinder aus den Favelas ist diese Förderung enorm wichtig, da sie so bessere Perspektiven auf ein Leben außerhalb der informellen Siedlungen haben.

Familien spielen ebenso eine zentrale Rolle. Sie werden von Sozialarbeitern besucht, um Aufklärungsarbeit zu leisten, Probleme aufzudecken und diese später per Supervision zu besprechen. Frauen wird die Möglichkeit gegeben an Näh- und Bastelkursen teilzunehmen. Die dabei entstandenen kleinen Kunstwerke werden dann auf einem Basar verkauft, wobei der Erlös der Organisation zu Gute kommt. Während die Frauen arbeiten, wird stets viel geredet und gelacht. Im Allgemeinen finde ich es sehr beeindruckend, mit wie viel Leidenschaft und Herzblut die Menschen in dieser Organisation mitarbeiten. Sie nehmen sich Zeit zum Zuhören, Zeit zum Reden mit ihren Freunden, Familien und Kindern. Jede Hilfe wird dankbar angenommen und jeder hat einen Platz in ihrer Gemeinschaft. Mir kommt es vor, als wären sie alle eine große Familie, die fortwährend fest zusammenhält.

 

Oliver Treuter „Von einem der auszog Häuser zu bauen“

Oliver Treuter

Oliver Treuter

Über Langweile konnte ich mich als wandernder Zimmermann nie beklagen. Auch spontane Absprachen mit den unterschiedlichsten Leuten gehören zum Alltag von Bauhandwerkern auf der Walz, doch eine Arbeitseinladung nach Brasilien stellt auch hier eher eine Ausnahme dar.

Mit vagen Informationen ausgerüstet, machte ich mich dennoch 2001 auf den Weg in die Wildnis nahe São Paulo. Auf alles gefasst, überraschte mich die Mitteilung von Projektleiter Uwe Weibrecht, dass ich die nächsten Monate bei Guaraní-Indianern verbringen werde, nicht allzu sehr. Nach vorsichtiger beidseitiger Kontaktaufnahme war ich schnell ins dörfliche Geschehen von „Krukutu“ integriert. Es war eine wunderbare und einzigartige Erfahrung mit den Indianern zu leben und zu arbeiten. Neben viel menschlicher Wärme und unauslöschlichen Eindrücken entstand auch eine hölzerne Basisstation, die für mich die Anfänge des Vereins „Martim de Lima“ symbolisch widerspiegeln. Die Grundlagen waren geschaffen und auch einer Wiederkehr stand nichts im Weg.

Im folgenden Jahr waren wir dann schon zwei Wandergesellen, die mit tatkräftiger Unterstützung der Einheimischen ein neues Gebetshaus im indianischen Baustil in „Morro de Saudade“ errichteten. Das Leben im Alltag der Guaraní, besonders die täglichen Gebetsstunden oder auch die Ruhe nach einem tropischen Regenguss bleiben für mich unvergessen. Sehr eindrucksvoll und absolut notwendig waren das Organisations- und Improvisationsvermögen aller Helfer vor Ort, das uns Handwerkern viele nervenaufreibende Stunden ersparte.

Die Neuorientierung des Vereins „ProBrasil“ eröffnete auch ein neues Betätigungsfeld. So war 2005 der Großstadtdschungel mit all seinen sozialen Problemen das Umfeld meiner letzten baulichen Tätigkeit in Brasilien. Neben fachlichen Herausforderungen galt es nun, den Alltag in einer brasilianischen Familie zu meistern. Ab und zu sehnte ich mich schon nach der friedlichen Ruhe der Indianer, obwohl das temperamentvolle, hektisch laute, dabei sehr herzliche Miteinander meiner Gastfamilie mir eine unüberschaubare Menge außergewöhnlicher Erinnerungen einbrachte.

Abgerundet wurden alle Aufenthalte in Brasilien mit einer Fülle sehr schöner und interessanter Ausflüge. Ich möchte mich an dieser Stelle für die Mühen und die selbstlose Herzlichkeit vieler Mitarbeiter von „ProBrasil“ bedanken, die meine Aufenthalte so einzigartig haben werden lassen.

 

Sozialpraktikum Anna Luisa Paffhausen, 2004

Anna Paffhausen

Anna Luisa Paffhausen

Anna Luisa Paffhausen, Studentin der Internationalen Volkswirtschaftslehre an der Universität Tübingen, hat nach ihrem Abitur 2004 ein achtwöchiges Sozialpraktikum bei ProBrasil in São Paulo gemacht. Sie gibt in ihren Briefen eine gute Beschreibung des Lebens dort:

Im Jardim dos Álamos leben circa 11.000 Menschen; überwiegend sozial schwache Familien mit niedrigem bis keinem Einkommen. Es sind meistens Migranten aus dem Nordosten Brasiliens, die auf ein besseres Leben in São Paulo hoffen. Da sie oft nicht einmal lesen und schreiben können, gibt es für sie jedoch zu wenige Arbeitsplätze. Bis ins Zentrum braucht man mit dem Bus zweieinhalb Stunden, so fängt der Tag für viele schon morgens um vier Uhr an. Gegen neun Uhr abends kommen sie frühestens nach Hause.

Die Zahl der Kinder pro Familie variiert, doch vielfach haben die Ärmsten die meisten Kinder. Trotz Armut wird jedes Kind als Geschenk angesehen und mit sehr viel Liebe aufgezogen.

Wegen der teilweise extrem schlechten hygienischen Bedingungen, Unkenntnis, unzureichender medizinischer Versorgung und Ernährung leiden die Menschen im Álamos unter diversen Krankheiten. In der Regel haben alle Kinder Würmer. Ein großes Problem ist das feuchte Klima. In jedem Haus sind die Decken und Wände voller Schimmel. So leiden viele unter Atemwegserkrankungen. Dazu kommen psychische Schäden, hervorgerufen durch die Situationen zu Hause: Arbeitslosigkeit, Geldmangel, Hunger, Alkohol, Drogen, Gewalt, Diskriminierung.

Nächstenliebe und Hilfsbereitschaft im Viertel haben mich sehr beeindruckt. Die Menschen im Álamos verdienen wenig, viele gar nichts. Und trotzdem versuchen die, die mehr haben, denen, die gar nichts haben, auszuhelfen.

ProBrasil hilft den Menschen aller Altersgruppen auf vielfache Weise und ist inzwischen unentbehrlich geworden.

Meine Erfahrungen in Brasilien haben mich sehr bereichert und mir den Blick auf das Wesentliche im Leben geöffnet.