Wie kann ich mir einen Tag bei ProBrasil vorstellen?

So könnte euer Alltag bei ProBrasil aussehen – es folgen drei Berichte ehemaliger Freiwilliger.

Ein Tag bei ProBrasil in den Projekten BaseCamp Álamos (Sozialstation) und CCA Fontes (Kinder- und Jugendzentrum)

Wir – Teresa und Omar – waren von November 2016 bis Januar 2017 als freiwillige Helfer bei ProBrasil in São Paulo tätig. Der nachfolgende Bericht soll euch einen ersten Einblick in unsere tägliche Arbeit vor Ort geben, damit ihr wisst, was euch im Falle einer Mitarbeit bei ProBrasil tagtäglich erwartet.

Unsere Unterkunft befindet sich im Base Camp Álamos, welches inmitten der Favela liegt und eine direkte Anlaufstelle für die Bewohner des Viertels bei sozialen, familiären und finanziellen Problemen ist. Geleitet wird die Sozialstation von Rose, die selbst in der Favela aufgewachsen ist und die daher die Sorgen und Nöte der dort lebenden Menschen aus eigener Erfahrung kennt.

Unser Tag beginnt jeden Morgen um 7 Uhr, der Tagesablauf variiert jedoch, je nach Wochentag.

Montags bleiben wir vor Ort im BaseCamp, bereiten uns selbst ein Frühstück und warten auf die Ankunft von Rose. Unsere Aufgabe besteht darin, den Jugendlichen aus dem Viertel Englischkurse anzubieten. Es handelt sich dabei um circa 25 Kinder im Alter ab 10 Jahren, die uns in zwei Gruppen besuchen. Aufgrund der Sprachbarriere ist das Unterrichten eine Herausforderung, die wir aber zunehmend besser meistern. Es bereitet uns große Freude zu sehen, mit wie viel Eifer sich die Kinder und Jugendlichen im Unterricht einbringen.

Dienstags bis freitags machen wir uns gegen 7:30 Uhr auf den Weg zu einer weiteren Einrichtung des Vereins, dem Kinder- und Jugendzentrum – kurz CCA – der im entlegenen Stadtteil Fontes angesiedelt ist. Die circa 45-minütige Anfahrt mit dem Bus ist jedes Mal ein Abenteuer, da es weder einen Busfahrplan noch eine Ansage gibt, wo man aussteigen muss. Daher haben wir uns immer gefreut, wenn Rose uns begleitet hat.

Im CCA angekommen werden wir freundlich empfangen und frühstücken mit den anderen Mitarbeitern des CCA. Gegen 9 Uhr kommen die Kinder, die am Nachmittag zur Schule müssen, und bekommen erst einmal ein Frühstück. Das gesunde Essen ist fester Bestandteil des Konzeptes der CCAs. Obwohl ein großer Wert auf Tischmanieren gelegt wird und kein Mangel an Essen herrscht, verursachen die knapp 40 Kinder einen gewaltigen Geräuschpegel.

Gemeinsam mit den Mitarbeitern entscheiden wir im Anschluss, wie das Tagesprogramm im Einzelnen gestaltet wird. Das Bildungsprogramm, wie z.B. Lesen und Englischunterricht, wird in einigen fest eingeplanten Workshops in Kleingruppen angeboten. Wir beteiligen uns meistens bei den spielerischen sowie pädagogischen Angeboten, im Rahmen derer wir uns intensiv um die Kinder kümmern. Zum pädagogischen Konzept des CCA zählt auch, den Kindern Raum zu geben, sich auszutoben.

In den letzten Tagen war es zum Beispiel sehr heiß. Da hat es den Kindern, aber auch uns große Freude bereitet, sich bei einer Wasserschlacht abzukühlen. Gegen 11 Uhr gibt es das Mittagessen, danach gehen die Kinder in die Schule. Für uns bedeutet das eine wohlverdiente, kurze Ruhepause. Auch wir bekommen im CCA ein frisch gekochtes Mittagessen; es schmeckt sehr lecker, jedoch muss man sich an Reis und Bohnen als tägliche Beilage gewöhnen.

Um 13 Uhr trifft die nächste Gruppe der Kinder ein und erhält ebenfalls ein Mittagessen. Die Kinder am Nachmittag sind jünger, deutlich wilder und lauter. Für uns besteht das Beschäftigungsprogramm meistens aus Aktivitäten wie Fußballspielen und Basteln. Gut angekommen ist auch die Einführung neuer deutscher Spiele, wie z.B. „Feuer, Wasser und Blitz“.

Um 16 Uhr gibt es dann nochmals eine kleine Mahlzeit. Um 17 Uhr schließt die Einrichtung ihre Pforten, und wir begeben uns dann mit den Mitarbeitern auf den Weg nach Hause ins BaseCamp. Dort angekommen, ruhen wir uns etwas aus und verbringen dann meistens die Abende zuhause bei Rose, da sie keine fünf Minuten vom Base Camp entfernt wohnt. Dort lernen wir Portugiesisch oder schauen Filme.

Nach einem ereignisreichen und anstrengenden Tag fallen wir dann oft sehr früh ins Bett – glücklich und zufrieden über den Beitrag, den wir leisten durften.

Teresa H. und Omar A., Freiwillige von November 2016 bis Januar 2017

 

Projekt: CCA Parque Recreio

Mein Tag startet jeden Morgen um 7 Uhr mit einem wunderschönen Blick von meinem Balkon auf die Natur rund um das Haus vom CCA Parque Recreio. Mein Zimmer befindet sich im Obergeschoss des großen Hauses vom CCA in Parelheiros. Hier habe ich mein separates Zimmer mit Schreibtisch, Schrank, Bett und eigenem Bad.

Der morgendliche Blick aus dem Fenster, die Sonne grüßt

Der morgendliche Blick aus dem Fenster, die Sonne grüßt.

Um 7:30 Uhr treffe ich mich auf einen Kaffee und ein Brötchen mit den Mitarbeitern des CCA. Alle sind sehr herzlich und haben ein offenes Ohr für meine zahlreichen Fragen.

Um 8 Uhr kommen die ersten Kinder in das CCA-Haus. Jeden Tag gibt es einen groben Plan, welche Freizeitgestaltung angeboten wird. Darunter fallen sportliche Aktivitäten, kreative Arbeiten (z.B. Origami) oder auch Englisch-Unterricht. Als ich die ersten Tage im Projekt arbeitete, stellten die Kinder sehr viele Fragen und sprachen sehr schnell. Abends rauchte mir oft der Kopf, da ich kaum Portugiesisch sprach. Doch mit der Zeit fiel das Sprechen leichter. Die Kinder sind sehr verständnisvoll und freuen sich jeden Tag aufs Neue, dass man für sie da ist.

Um 11 Uhr bekommen die Kinder und Mitarbeiter des Projektes Mittagessen. Die Mahlzeiten sind sehr abwechslungsreich und werden jeden Tag mit viel Liebe von den zwei Köchinnen zubereitet. Nach dem Essen gehen die Kinder in die Schule und die Mitarbeiter haben Freizeit.

Bastelstunde

Bastelstunde

Zwischen 13 und 14 Uhr kommen die nächsten Kinder, die am Vormittag in der Schule waren. Auch dann gibt es – wie am Vormittag – zahlreiche Freizeitangebote und eine kleine Mahlzeit am Nachmittag. Den Tagesablauf begleiten Silvia und Douglas, zwei unglaublich herzliche pädagogische Mitarbeiter. Douglas spricht fließend Deutsch und gibt manchmal sogar schwäbische Floskeln zum Besten.

Jeden Monat werden auch Ausflüge veranstaltet, um den Kindern kulturell etwas zu bieten, wie z.B. Museumsbesuche oder sportliche Veranstaltungen.

Um 17 Uhr gehen die Kinder und Mitarbeiter nach Hause. Oft habe ich dann Portugiesisch gelernt oder mit meinen Mitbewohnern Ubirajara und Douglas etwas unternommen. Für Verpflegung ist ausreichend gesorgt, und auch um verschiedene andere Besorgungen kümmern sich die Mitarbeiter von ProBrasil sehr fürsorglich, wie z.B. um eine Telefonkarte oder einen Busfahrschein. Im Haus ist außerdem ein guter WLAN-Anschluss vorhanden.

Julia Butz, Freiwillige von Juni bis September 2014

 

Sauberes Wasser für Gameleira – ein Tagesbericht von Bruno Hille aus dem Piauí

Heute Morgen bin ich bereits um 4 Uhr durch ein schreiendes Schwein, welches geschlachtet werden sollte, geweckt worden. Eigentlich muss ich erst um 6 Uhr aufstehen, doch normalerweise wache ich immer kurz vor meinem Wecker auf: Die Sonne, krähende Hähne, schreiende Esel, laut zwitschernde Vögel, bellende Hunde und die bereits zu dieser frühen Stunde spürbare Wärme entreißen mich meinen Träumen. Da ich durch das heiße und trockene Klima und die Arbeit sehr müde bin, schlafe ich sehr früh, und das frühe Aufstehen fällt mir mittlerweile nicht mehr schwer. Das Schlafzimmer ist klimatisiert, das Base Camp ist sehr schön eingerichtet und bietet viel Platz. Es wird hier in Hängematten geschlafen; allerdings ziehe ich das klassische Bett vor.

Gefrühstückt wird eher wenig, jedoch in netter Gesellschaft durch Vicente. Er ist ein Freund der Organisation, der sich hier um vieles kümmert (Abholen vom Busterminal, Einkäufe und andere kleine Dienste). Nach dem Frühstück packe ich Wasser und meine Kamera ein und gegen halb acht geht’s los zur Arbeit. Ein wundervoller Weg durch eine atemberaubende Landschaft führt mich zu meiner Arbeitsstelle – einer Quelle.

Der Weg zur Arbeit

Der Weg zur Arbeit

Ich reinige sie, damit sie sauber wird und wieder mehr Wasser fördert. Dies ist für die Pflanzen und Tiere hier sehr wichtig, da es nur im Dezember und Januar regnet.

Gegen 11:30 Uhr kehre ich heim. Dann gibt es Mittagessen und meistens bin ich durch das Wetter und die körperliche Arbeit so ausgepowert, dass ich es gerade noch schaffe zu essen und etwas zu bloggen. Danach ist erst mal Ausruhen angesagt. Zu Mittag werde ich von einer jungen Frau aus der Gegend bekocht. Diesen Service finde ich ausgesprochen lecker, praktisch und luxuriös.

Am Nachmittag muss ich mich meist ausruhen und mache gegen Abend häufig noch einen Spaziergang mit Vicente. Auch unterhalte ich mich oft mit Menschen aus dem Dorf vor dem neben dem Base Camp liegenden Supermarkt von Vicente.

Gegen 19 Uhr essen wir dann die Reste vom Mittag zu Abend und reden oder wir gehen etwas essen. In der Regel gehen wir früh schlafen, oft schon gegen 21 Uhr, da man hier in der Gameleira abends auch nicht mehr viele Möglichkeiten zum Ausgehen hat.

Mehr Informationen über Gameleira und das Projekt auf brunoprobrasil.wordpress.com.

Ein Tag in São Paulo für ProBrasil

Der Wecker klingelt im Kinder- und Jugendzentrum (CCA) Parque Recreio um 7 Uhr. Ich bleibe noch eine halbe Stunde liegen, mache mich dann aber schnell frisch, ziehe mich an und ab in die Küche. Denn es ist hier wichtig, den Kaffee früh zuzubereiten, bevor es die Brasilianer machen, denn nur dann ist er ohne Zucker. Der Zucker wird hier im 1:1-Verhältnis mit dem Kaffeepulver in den Filter gegeben, und das ist mir einfach zu süß.

Wenn der Kaffee fertig ist, kommt meistens schon Reginaldo. Er ist Fahrer bei ProBrasil und holt hier im CCA, wo es einen Stellplatz gibt, das Auto ab. Wir fahren dann gegen 8 Uhr (Pünktlichkeit ist hier ein Fremdwort) gemeinsam ins Sozialzentrum, dem Hauptsitz von ProBrasil, wo ich im Projekt „Aprender a ser“ („Leben lernen“) helfe.

Wir kommen meistens zwischen viertel nach acht und halb neun an. Meine liebe Kollegin Rose ist mit den Kindern meistens schon damit beschäftigt, das Frühstück vorzubereiten. Mit Freude werde ich begrüßt. Nachdem jedes Kind mit „High Five“ und jeder Kollege mit einem Küsschen auf die Wange begrüßt worden ist, geht’s dann auch los mit dem Frühstück – aber vorher das Gebet nicht vergessen!

Danach entscheiden Rose und ich, was wir heute machen. Zur Auswahl stehen Fußball, Völkerball, Recyclingbasteln (ich bin völlig fasziniert von der Kreativität der Brasilianer bei der Verwertung von scheinbarem Müll), Spiele wie Schach, Mensch – ärgere dich nicht, Malen, diverse andere Basteleien sowie Spaziergänge. Häufig haben wir die Gruppen geteilt und ich habe eher sportliche Spiele gemacht, da ich den Eindruck habe, dass sich die Kinder zu wenig bewegen.

Um 11 Uhr gehen unsere Schützlinge dann nach Hause oder in die Schule. Dann ist Mittag. Gekocht wird hier nur für die Mitarbeiter. Das Essen ist lecker. Und ja, Bohnen und Reis kann ich immer noch sehen. In Brasilien wird beides jeden Tag gegessen.

Um 14 Uhr kommt dann die zweite Gruppe. Jünger. Wilder. Lauter. Hier müssen wir uns genauer überlegen, was wir machen, da die Kinder der zweiten Gruppe mehr Grenzen und klarere Vorgaben benötigen. Diese bleiben dann bis 17 Uhr bei uns.

Nach Hause zum CCA Parque Recreio komme ich entweder mit einem zu vollen Bus (15 Minuten), zu Fuß (40 Minuten) oder, falls Reginaldo zeitgleich Feierabend macht, mit ihm im Auto (10 Minuten).

Je nachdem, ob ich noch etwas zu essen einkaufen möchte oder mir das ausreicht, was im CCA ist (und das ist nicht wenig), halten wir noch beim Supermarkt. Sonst bin ich gegen halb sechs zuhause, genieße die Ruhe und esse etwas. Im Anschluss schaue ich einen Film mit den Kollegen oder wir unterhalten uns.

Auch hier gehe ich gerne früh schlafen. Die Arbeit mit den Kindern, die noch etwas fremde Sprache, die fremde Kultur und generell diese Stadt machen mich sehr müde, aber ich bin glücklich, mit meiner Arbeit einen persönlichen Beitrag für das Projekt und ProBrasil zu leisten.

Weitere Informationen auf: brunoprobrasil.wordpress.com

Bruno Hille, Freiwilliger von April bis Juni 2014